Das Internet ist für die Logistik die größte Revolution
überhaupt. Alte Strukturen werden in einem atemberaubenden Tempo überrollt! Fast
täglich gibt es neue Angebote im Internet, die logistische Prozesse vereinfachen sollen
und sicherlich auch können. Wenn nicht die Anwender wären!
Nach über 2 Jahren intensivem Studium des Angebots von
Frachtbörsen, aus der Sicht eines Praktikers, möchte ich an dieser Stelle einmal
Zwischenbilanz ziehen. Nach einer anfänglichen Euphorie ist mittlerweile eine gewisse
Ernüchterung eingetreten. Die Idee von Frachtbörsen im Internet ist faszinierend und
logisch. Was liegt näher als das Medium Internet für die optimale Auslastung von
Frachtraum zu nutzen? Technisch ist dies mittlerweile kein Problem mehr.
Das Angebot ist schon kaum noch zu überschauen. Meine
Untersuchungen haben bisher zu einer Liste von 106 europäischen Frachtbörsen geführt -
und das Angebot wächst fast täglich! Sicherlich sind nicht alle Angebote ernst zu nehmen
und die Funktionalität ist sehr unterschiedlich. Viele professionelle Anbieter verlangen
eine Gebühr für ihre Dienstleistung aber das Angebot der kostenlosen Dienste (bisher 58)
steigt überproportional.
Trotzdem gibt es aus meiner Sicht nur wenige Angebote, die
relativ erfolgreich sind. In letzter Zeit gibt es allerdings einige neue Angebote, die aus
den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.
Nach vielen Gesprächen mit Verladern und Dienstleistern
ergibt sich ein klares Bild - der Anwender kommt bei vielen Angeboten zu kurz, da seine
Bedürfnisse nicht wirklich ernst genommen werden. Die meisten Anbieter sehen
selbstverliebt nur ihr Produkt und nicht die echten Bedürfnisse der Kunden.
Die Verlader sehen die Entwicklung zwar wohlwollend, da eine
bessere Auslastung des Frachtraums auch zu günstigeren Konditionen führt. Dies aktiv zu
unterstützen, kann aber nur klappen, wenn Dienstleister eine Schnittstelle schaffen, die
mehrfache Datenerfassung für die Verlader ausschließt. Warum soll eine Kunde seine
Versanddaten noch in eine oder mehrere Frachtbörsen online oder offline eingeben, wenn
vor der Tür ohnehin die Anbieter Schlange stehen?
Und welcher Disponent hat schon Lust, einen antiquierten P/C
mit quälend langsamem Modem mit Daten online oder offline zu füttern, wenn alle 10
Sekunden eines seiner 3-5 Telefone klingelt? Nur langsam setzt sich in der Branche die
Bereitschaft zu Investitionen in aktuelle Soft-und Hardware durch. Sicherlich ist
die angespannte Kostensituation einer der Gründe.
Wenn er sich dann trotzdem von einem geschickten Verkäufer
von den Vorteilen seiner Frachtbörse überzeugen läßt, setzt er sich, in der für die
Branche üblichen masochistischen Hingabe, zu später Stunde an den P/C, um doch
mal Daten einzugeben oder zu durchsuchen.
Wenn sich dann nach einigen Tagen kein Erfolg einstellt, gibt
er genervt wieder auf und geht wieder die eingespielten Wege.
Was muß also geschehen, damit die logischen Möglichkeiten
des Internets auch Anwendung finden?
Um Gebühren zu kassieren, müssen die Frachten und natürlich
die Angebote von Frachtbörsen erst noch attraktiver werden, sonst ist hierfür schlicht
kein Geld übrig! Vielversprechend sind hier Angebote, die mehr als nur eine
schlichte Frachtenbörse anbieten.
Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen die Anbieter sich
mit dem Kunden gemeinsam in die Materie einarbeiten und den Kunden an der Hand nehmen und
Schritt für Schritt dabei unterstützen. Dabei werden sicherlich auch wichtige
Erkenntnisse aus der Praxis gesammelt.
Der Praktiker sollte immer mit am Tisch der Planer und
Programmierer sitzen, denn die meisten Anwender haben nicht das Computerwissen der Wizz
Kids, und eine vermeintlich einfache Eingabe ist für einen geübten Surfer kein Problem.
Der durchschnittliche Anwender ist aber oft froh, daß er seine Email einigermaßen im
Griff hat und auch mal eine Tabelle in Excel erstellen kann.
Am wichtigsten ist aber die Qualifizierung der Einträge und
der Nutzer. Hier gibt es mittlerweile vielversprechende Ansätze, wo der Verlader den
Dienstleister und natürlich auch der Dienstleister den Verlader für jede durchgeführte
Transaktion bewerten kann! Wenn eine sinnvolle Bewertung mit eingearbeitet wird, trennt
sich sicherlich sehr schnell die Spreu vom Weizen.
Interessant ist auch der Versuch Fracht in Form von Auktionen
zu vermitteln. Neue Ideen sind auf jeden Fall gefragt und der rasant steigende
Wettbewerb wird diesen Trend unterstützen.
Eine große Hemmschwelle ist für Anwender die erste
Registrierung, auch wenn dies nicht immer gleich mit Kosten verbunden ist. Hier sind
Angebote erfolgreich, die dem Anwender vor der ersten Nutzung einen ersten Einblick
ermöglichen. Der Nutzer muß schon wissen, was ihn ungefähr erwartet, bevor er den
nächsten notwendigen Schritt der Registrierung vollzieht.
Wenn er sieht, daß auch potentielle Angebote in den
Datenbanken vorhanden sind, registriert er sich schon aus Neugier, um an die notwendigen
Adressen der Anbieter für die Kontaktaufnahme zu kommen.
Die Angebote, die keinen Einblick gewähren, lassen den
Verdacht aufkommen, daß es keine oder nur wenige interessante Angebote gibt. Hier ist
dann enormer Aufwand im Marketing notwendig, um Kunden zu gewinnen.
Aber die vergangenen Wochen und Monate bestätigen den
positiven Trend und die Marktakzeptanz der Frachtbörsen nimmt zu - wenn das Angebot
stimmt!
Unter www.brummifreund.de
ist die Liste der Anbieter, die regelmäßig aktualisiert wird für jeden kostenlos
abrufbar.