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Die Problematik von Frachtbörsen

Von Stephan Kotthaus - Logistikberater mit Schwerpunkt Internetanwendungen (überarbeiteter Stand 25.11.2001)

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Das Internet ist für die Logistik die größte Revolution überhaupt. Alte Strukturen werden in einem atemberaubenden Tempo überrollt! Fast täglich gibt es neue Angebote im Internet, die logistische Prozesse vereinfachen sollen und sicherlich auch können. Wenn nicht die Anwender wären!

Nach über 2 Jahren intensivem Studium des Angebots von Frachtbörsen, aus der Sicht eines Praktikers, möchte ich an dieser Stelle einmal Zwischenbilanz ziehen. Nach einer anfänglichen Euphorie ist mittlerweile eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Die Idee von Frachtbörsen im Internet ist faszinierend und logisch. Was liegt näher als das Medium Internet für die optimale Auslastung von Frachtraum zu nutzen? Technisch ist dies mittlerweile kein Problem mehr.

Das Angebot ist schon kaum noch zu überschauen. Meine Untersuchungen haben bisher zu einer Liste von 106 europäischen Frachtbörsen geführt - und das Angebot wächst fast täglich! Sicherlich sind nicht alle Angebote ernst zu nehmen und die Funktionalität ist sehr unterschiedlich. Viele professionelle Anbieter verlangen eine Gebühr für ihre Dienstleistung aber das Angebot der kostenlosen Dienste (bisher 58) steigt überproportional.

Trotzdem gibt es aus meiner Sicht nur wenige Angebote, die relativ erfolgreich sind. In letzter Zeit gibt es allerdings einige neue Angebote, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.

Nach vielen Gesprächen mit Verladern und Dienstleistern ergibt sich ein klares Bild - der Anwender kommt bei vielen Angeboten zu kurz, da seine Bedürfnisse nicht wirklich ernst genommen werden. Die meisten Anbieter sehen selbstverliebt nur ihr Produkt und nicht die echten Bedürfnisse der Kunden.

Die Verlader sehen die Entwicklung zwar wohlwollend, da eine bessere Auslastung des Frachtraums auch zu günstigeren Konditionen führt. Dies aktiv zu unterstützen, kann aber nur klappen, wenn Dienstleister eine Schnittstelle schaffen, die mehrfache Datenerfassung für die Verlader ausschließt. Warum soll eine Kunde seine Versanddaten noch in eine oder mehrere Frachtbörsen online oder offline eingeben, wenn vor der Tür ohnehin die Anbieter Schlange stehen?

Und welcher Disponent hat schon Lust, einen antiquierten P/C mit quälend langsamem Modem mit Daten online oder offline zu füttern, wenn alle 10 Sekunden eines seiner 3-5 Telefone klingelt? Nur langsam setzt sich in der Branche die Bereitschaft zu Investitionen in aktuelle Soft-und Hardware durch. Sicherlich ist die angespannte Kostensituation einer der Gründe.

Wenn er sich dann trotzdem von einem geschickten Verkäufer von den Vorteilen seiner Frachtbörse überzeugen läßt, setzt er sich, in der für die Branche üblichen masochistischen Hingabe, zu später Stunde an den P/C, um doch mal Daten einzugeben oder zu durchsuchen.

Wenn sich dann nach einigen Tagen kein Erfolg einstellt, gibt er genervt wieder auf und geht wieder die eingespielten Wege.

Was muß also geschehen, damit die logischen Möglichkeiten des Internets auch Anwendung finden?

Um Gebühren zu kassieren, müssen die Frachten und natürlich die Angebote von Frachtbörsen erst noch attraktiver werden, sonst ist hierfür schlicht kein Geld übrig! Vielversprechend sind hier Angebote, die mehr als nur eine schlichte Frachtenbörse anbieten.

Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen die Anbieter sich mit dem Kunden gemeinsam in die Materie einarbeiten und den Kunden an der Hand nehmen und Schritt für Schritt dabei unterstützen. Dabei werden sicherlich auch wichtige Erkenntnisse aus der Praxis gesammelt.

Der Praktiker sollte immer mit am Tisch der Planer und Programmierer sitzen, denn die meisten Anwender haben nicht das Computerwissen der Wizz Kids, und eine vermeintlich einfache Eingabe ist für einen geübten Surfer kein Problem. Der durchschnittliche Anwender ist aber oft froh, daß er seine Email einigermaßen im Griff hat und auch mal eine Tabelle in Excel erstellen kann.

Am wichtigsten ist aber die Qualifizierung der Einträge und der Nutzer. Hier gibt es mittlerweile vielversprechende Ansätze, wo der Verlader den Dienstleister und natürlich auch der Dienstleister den Verlader für jede durchgeführte Transaktion bewerten kann! Wenn eine sinnvolle Bewertung mit eingearbeitet wird, trennt sich sicherlich sehr schnell die Spreu vom Weizen.

Interessant ist auch der Versuch Fracht in Form von Auktionen zu vermitteln. Neue Ideen sind auf jeden Fall gefragt und der rasant steigende Wettbewerb wird diesen Trend unterstützen.

Eine große Hemmschwelle ist für Anwender die erste Registrierung, auch wenn dies nicht immer gleich mit Kosten verbunden ist. Hier sind Angebote erfolgreich, die dem Anwender vor der ersten Nutzung einen ersten Einblick ermöglichen. Der Nutzer muß schon wissen, was ihn ungefähr erwartet, bevor er den nächsten notwendigen Schritt der Registrierung vollzieht.

Wenn er sieht, daß auch potentielle Angebote in den Datenbanken vorhanden sind, registriert er sich schon aus Neugier, um an die notwendigen Adressen der Anbieter  für die Kontaktaufnahme zu kommen.

Die Angebote, die keinen Einblick gewähren, lassen den Verdacht aufkommen, daß es keine oder nur wenige interessante Angebote gibt. Hier ist dann enormer Aufwand im Marketing notwendig, um Kunden zu gewinnen.

Aber die vergangenen Wochen und Monate bestätigen den positiven Trend und die Marktakzeptanz der Frachtbörsen nimmt zu - wenn das Angebot stimmt!

Unter www.brummifreund.de ist die Liste der Anbieter, die regelmäßig aktualisiert wird für jeden kostenlos abrufbar.

 

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