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Reisebericht Jordanien - Irak 27.10.99 bis 07.11.99

veröffentlicht in der DVZ Nr. 6 / 15. Januar 2000

Nahezu 10 Jahre UN-Embargo haben den Warenverkehr in den Irak stark beeinträchtigt. Aber die Anzeichen für eine bevorstehende Belebung werden immer stärker. Erst kürzlich wurde das "Oil for Food Programme" der UN deutlich aufgestockt, wodurch der Import in den Irak deutlich zunehmen dürfte. Deshalb habe ich im Kundenauftrag kürzlich Jordanien und den Irak bereist, um einen unmittelbaren Eindruck der Situation vor Ort zu bekommen.

Für Jordanien ist Irak nach wie vor der wichtigste Handelspartner, und Jordanien ist eine wichtige Verbindung zur Außenwelt für den Irak. Im Hafen Aqaba werden viele Güter umgeschlagen, die über das Oil for Food Programme vom Irak importiert werden dürfen.

Hierbei handelt es sich in erster Linie um Lebensmittel wie Reis, Tee, Zucker, Medikamente, Fahrzeuge und Ersatzteile für die Ölförderung.

Wichtige Lieferländer sind Russland, China, Frankreich, Vietnam und Algerien.

Deutschland spielt momentan nur eine unbedeutende Rolle bei Lieferungen in den Irak. Dies wurde mir persönlich besonders bei der Beschaffung eines Visum für den Irak klar. Nur aufgrund guter, alter Kontakte in Jordanien und dem Irak gelang es mir über die irakische Botschaft in Amman ein Visum zu erhalten. Aufgrund des Embargos ist eine Reise in den Irak nur auf dem Landweg möglich.

Die Fahrt von Amman nach Baghdad verlief ohne Probleme. Bis zur jordanischen Grenze ist die Straße weitgehend zweispurig mit einigen vierspurigen Streckenabschnitten. Es herrscht starker Verkehr. Überwiegend fuhren hier Tankfahrzeuge und LKW mit Containern (vorwiegend Kühlcontainern).  Die Fahrt von Amman bis zur Grenze dauerte etwa 4,5 Stunden.

An der Grenze auf irakischer überprüft die Firma Cotecna alle LKW im Auftrag der UN. Container werden grundsätzlich komplett entladen und kontrolliert. Unser Grenzaufenthalt auf jordanischer Seite dauerte 20 Min., auf irakischer Seite etwa 25 Minuten und wir wurden sehr höflich abgefertigt. Aufgrund einer offiziellen Einladung blieb mir der sonst obligate Aidstest bei der Einreise erspart.

Hinter dem Grenzübergang in Trebil beginnt eine durchgehende Autobahn bis Baghdad, die in sehr gutem Zustand ist. Zunächst verläuft sie vierspurig und nach etwa 20 km geht es sechsspurig weiter. Für Tankfahrzeuge ist diese Autobahn nicht zugänglich und daher sehr schwach befahren.  Die Fahrt von der irakischen Grenze bis Baghdad dauert etwa vier Stunden.

Superbenzin ist im Irak sehr billig.  Ein Liter kostet 40 Irak-Dinar (ID) oder umgerechnet etwa einen Pfennig. Für einen US$ erhäklt man beim gegenwärtigen Umtausch 1900 ID. Die größte Banknote ist der 250 ID-Schein. Größere Mengen lokales Bargeld zu bekommen ist ein ernstes logistisches Problem.

In Baghdad angekommen, gab es den ersten Dämpfer. In meinem Hotel hatte das Embargo sehr deutliche Spuren hinterlassen , so dass ich auf eine Beschreibung des hygienischen Zustands lieber verzichte. Nur wenige Hotels, wie das Al Rasheed Hotel und einige private Hotels werden westlichen Standards gerecht. Diese Hotels sind aber ständig ausgebucht und meine Ankunft fiel mit der Baghdad International Fair zusammen, die dieses Jahr erstmals seit dem Golfkrieg mit 39 Teilnehmerstaaten wieder ein internationales Profil hatte.

Am stärksten präsent waren französische Unternehmen. Bedingt durch das Embargo ist das Warenangebot beschränkt. Ausgestellt wurden in erster Linie Lebensmittel, pharmazeutische Produkte, Reinigungsmittel, Artikel der Körperhygiene, PKW, landwirtschaftliche Maschinen, Generatoren und Nutzfahrzeuge, Textilien und Unterhaltungselektronik.

Priorität hatte für alle Aussteller wohl in erster Linie das Knüpfen und Auffrischen von Kontakten.

Die Abwicklung von Handelsgeschäften  - so das Erbenis vieler Gespräche - wird durchweg als befriedigend beschrieben (wenn die UN-Genehmigung vorliegt). Vor allem der finanzielle Aspekt ist im Rahmen des Embargos unproblematisch. Wenn die Sanktionen aufgehoben worden sind, wird die Finanzierung von Geschäften das größte Problem sein. Da es noch aus der Zeit vor dem Golfkrieg erhebliche Altschulden gibt, sieht man große Schwierigkeiten auf das Land zukommen.

Die Außenhändler hoffen deshalb auf eine allmähliche Lockerung des Embargos mit erhöhten Summen für das "Oil for Food Programme".

Bei einer Bevölkerung von etwa 24 Millionen Menschen stellt sich allen kritischen Besuchern die Frage, ob das Embargo überhaupt Sinn macht. Die Ziele des Embargos werden offensichtlich nicht erreicht. Die einfache Bevölkerung leidet für jeden sichtbar, wobei das Leben für finanziell Bessergestellte durchaus erträglich zu sein scheint. Das Warenangebot in den Läden ist groß und vielfältig.

Von Baghdad ging die Reise weiter nach Basrah und Umm Qasr , und zwar über die Landstraße erfolgen, da die bestehende Autobahn als unsicher gilt.

Im Hafen von Basrah gab es keine sichtbaren Aktivitäten. Aufgrund der starken Versandung im Shat el Arab ist dieser Hafen zur Zeit nur für Schiffe mit sehr niedrigem Tiefgang zugänglich.

Der Hafen von Umm Qasr liegt etwa 90 km südlich von Basrah am Eingang des Shat el Arabs und ist momentan der einzige Hafen für direkte Lieferungen in den Irak. In der Regel werden hier Container im Feederservice von Khor Fakkan (Sharjah) und Massengutfrachter mit Lebensmitteln wie Weizen, Reis, Zucker und Mehl abgefertigt.

Folgende Linien bieten regelmäßige Containerlieferungen via Umm Qasr an:

Maersk, CMA, American President Lines (APL), Evergreen, Uniglory, COSCO.

Im Hafen Um Qaser gibt es nur einen Brückenkran zum Umschlag von Containern.

Nach Angaben der Hafenbehörde ist dieser Kran aber sehr reparaturanfällig und häufig außer Betrieb.

Zur Zeit sind laut Hafenbehörde acht Liegeplätze in Betrieb für Schiffe mit einem Tiefgang von 8 maximal 11 m. Es gibt nur einen Schwimmbagger, der ständig im Einsatz ist, um diesen Tiefgang zu gewährleisten.

Es ist offensichtlich, daß dieses Land einen enormen Nachholbedarf hat und als Handelspartner interessant bleibt, um so mehr, wenn das Embargo weiter gelockert oder gar aufgehoben wird.

Für weitere Hintergrundinformationen besuchen Sie meine Website www.transportexperte.de

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